Rudolf Heß: Verehrung pur
Rudolf Heß – Hitlers Stellvertreter und sein Flug nach Schottland

Rudolf Heß war einer der frühen Gefolgsleute Adolf Hitlers. Er verehrte Hitler fast bedingungslos und wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zum „Stellvertreter des Führers“ in der NSDAP. Besonders bekannt wurde Heß aber durch seinen geheimen Flug nach Schottland im Jahr 1941. (In älteren Beschreibungen findest du auch “Flug nach England”, genau genommen landete Heß allerdings in Schottland.)
Strenger Vater und ungeliebter Beruf
Rudolf Heß wurde am 26. April 1894 in Alexandria in Ägypten geboren. Sein Vater war ein deutscher Kaufmann. Die Familie lebte in wohlhabenden Verhältnissen. Heß wuchs also nicht in Deutschland auf, blieb aber stark deutsch-national geprägt.
Seine Bildung erhielt er zunächst durch Privatunterricht und später auf Schulen in Deutschland und der Schweiz. Sein Vater war streng und wollte, dass Rudolf Heß Kaufmann wurde. Heß selbst mochte diesen Beruf jedoch nicht.
Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, meldete sich Heß freiwillig zum Kriegsdienst. Wie viele andere Nationalisten empfand er die Niederlage Deutschlands 1918 als Demütigung. Den Vertrag von Versailles lehnte er entschieden ab.
Erster Kontakt zu den Nationalsozialisten
Nach dem Krieg begann Heß in München zu studieren. Dort kam er mit nationalistischen, antisemitischen und antidemokratischen Kreisen in Kontakt. Er lernte unter anderem Ernst Röhm kennen.
1920 traf Heß zum ersten Mal Adolf Hitler. Von Anfang an verehrte er Hitler stark. Heß wurde zu einem frühen Anhänger der NSDAP und trug dazu bei, Hitler als angeblich außergewöhnliche Führungsfigur darzustellen. Diese Verehrung war ein Teil des späteren Führerkults. Damit ist die fast religiöse, kritiklose Verehrung Hitlers gemeint.
Haft in Landsberg mit Hitler
1923 beteiligte sich Heß am Hitlerputsch in München. Der Putsch scheiterte. Hitler und Heß wurden verhaftet und kamen in die Festungshaft nach Landsberg.
Dort half Heß Hitler bei der Arbeit an „Mein Kampf“. Hitler diktierte Teile des Textes, Heß unterstützte ihn dabei. In dieser Zeit wurde die Bindung zwischen beiden noch enger. Heß wurde einer der wichtigsten persönlichen Vertrauten Hitlers.
Heß und der Führerkult
Heß verehrte Hitler in besonderer Weise. Für ihn war Hitler nicht einfach ein Parteiführer, sondern eine fast übermenschliche Gestalt. Diese Haltung passte zum Führerkult der Nationalsozialisten. Der Führerkult sollte die Menschen dazu bringen, Hitler nicht zu hinterfragen. Kritik an Hitler galt als Verrat. Heß half mit, dieses Bild zu verbreiten.
Rudolf Heß als „Stellvertreter des Führers“
Nach der Machtübernahme 1933 ernannte Hitler Rudolf Heß zum „Stellvertreter des Führers“ in der NSDAP. Außerdem wurde Heß Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Das bedeutete: Er gehörte zur Reichsregierung, leitete aber kein eigenes Ministerium.
Heß hatte Einfluss, trat aber später immer mehr in den Hintergrund. Viele organisatorische Aufgaben übernahm sein Stabsleiter Martin Bormann. Trotzdem war Heß kein harmloser Mitläufer. Als führender Nationalsozialist unterstützte er Hitlers Politik. Sein Amt war auch an Gesetzen und Verordnungen beteiligt, die Jüdinnen und Juden entrechteten und die Diktatur festigten.
Der Flug nach Schottland
Am 10. Mai 1941 tat Rudolf Heß etwas sehr Ungewöhnliches. Er flog heimlich mit einem Flugzeug nach Schottland. Dort wollte er offenbar Kontakte zu britischen Kreisen aufnehmen und Friedensverhandlungen anbahnen. Heß hoffte, Großbritannien könne sich mit Deutschland verständigen. Dann, so seine Vorstellung, könnte Deutschland den Krieg gegen die Sowjetunion führen, ohne weiter gegen Großbritannien kämpfen zu müssen.
Ob Hitler vorher von dem Flug wusste, wurde lange diskutiert. Heute gehen viele Historikerinnen und Historiker davon aus, dass Heß eigenmächtig handelte. Hitler erklärte ihn danach für geisteskrank und distanzierte sich von ihm. In Großbritannien wurde Heß gefangen genommen. Er blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in britischer Haft.
Haft in Spandau
Rudolf Heß blieb viele Jahrzehnte in Haft. Von 1966 bis 1987 war er der einzige Gefangene im Gefängnis Spandau. Dadurch wurde er später von Rechtsextremen als angeblicher Märtyrer verehrt. Diese Verehrung ist eine Verharmlosung seiner Rolle im Nationalsozialismus.
Heß bei den Nürnberger Prozessen
Nach dem Krieg wurde Rudolf Heß bei den Nürnberger Prozessen angeklagt. Dort mussten sich wichtige führende Nationalsozialisten vor einem internationalen Gericht verantworten. Heß wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Danach kam er in das Kriegsverbrechergefängnis Spandau in West-Berlin.
Der letzte Gefangene von Spandau
Heß starb am 17. August 1987 im Gefängnis Spandau. Er nahm sich das Leben. Danach wurde das Gefängnis abgerissen, damit es nicht zu einem Wallfahrtsort für Neonazis wurde

Hitlers Helfer 

