Senkt Hitler die Arbeitslosigkeit?
Hat Hitler die Arbeitslosigkeit gesenkt?



Oft wird behauptet, Hitler habe im Deutschen Reich die Arbeitslosigkeit gesenkt. Tatsächlich ging die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen nach 1933 deutlich zurück. Doch dieser Rückgang hatte mehrere Gründe. Die Wirtschaft erholte sich bereits, der Staat gab viel Geld für Arbeitsbeschaffung aus, die Aufrüstung schuf neue Arbeitsplätze und nicht alle Menschen wurden in der Statistik noch mitgezählt.
Die sinkende Arbeitslosigkeit war also kein einfacher „Erfolg“ Hitlers. Sie war eng verbunden mit Diktatur, Aufrüstung, Kriegsvorbereitung und dem Verlust von Freiheit.
Viele Menschen hofften auf Arbeit
Während der Weltwirtschaftskrise waren Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Viele wählten oder unterstützten die Nationalsozialisten, weil sie sich Arbeit, Sicherheit und eine bessere Zukunft erhofften.
Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ging die Arbeitslosigkeit tatsächlich zurück. Hitler konnte dabei aber auch von einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung profitieren. Der Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise war bereits überschritten. Die nationalsozialistische Propaganda stellte den Rückgang der Arbeitslosigkeit trotzdem als persönliche Leistung Hitlers dar.
Arbeitsbeschaffung kostete viel Geld
Das NS-Regime förderte Programme, durch die neue Arbeitsplätze entstehen sollten. Unterstützt wurden zum Beispiel der Wohnungsbau, der Bau öffentlicher Gebäude und der Ausbau von Straßen und Verkehr.
Diese Maßnahmen kosteten sehr viel Geld. Der Staat finanzierte vieles durch Schulden. Das bedeutete: Es entstanden Arbeitsplätze, aber ein großer Teil davon wurde auf Pump bezahlt.
Neben dem Straßenbau senkte das NS-Regime die Arbeitslosigkeit auch durch Wohnungsbauprogramme, Steuererleichterungen, Fortbildungskurse und staatlich geförderte Beschäftigungsmöglichkeiten.
Waren die Autobahnen Hitlers Idee?
Auch der Bau der Autobahnen sollte Arbeit schaffen. Die Pläne dafür stammten aber nicht allein von Hitler. Schon in der Weimarer Republik gab es Ideen und Vorarbeiten für Autobahnen.
Die Nationalsozialisten machten daraus ein großes Propagandaprojekt. Sie stellten den Autobahnbau als Zeichen für Tatkraft, Fortschritt und den angeblichen Erfolg des neuen Staates dar. Der tatsächliche Beitrag zur Senkung der Arbeitslosigkeit war jedoch begrenzt.
Beim Autobahnbau arbeiteten zwar viele Menschen, aber im Vergleich zu den Millionen Arbeitslosen war ihr Anteil klein. Viel wichtiger für den Rückgang der Arbeitslosigkeit wurden andere Bereiche, vor allem die Aufrüstung.
Aufrüstung und Arbeitsdienst
Ein entscheidender Grund für den Rückgang der Arbeitslosigkeit war die Aufrüstung. Das NS-Regime bereitete Deutschland auf Krieg vor. Dafür wurden Waffen, Fahrzeuge, Kasernen, Flugzeuge und andere militärische Ausrüstung gebraucht. Dadurch entstanden viele Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie und in damit verbundenen Betrieben.
Auch die Einführung der Wehrpflicht und des Reichsarbeitsdienstes entlastete den Arbeitsmarkt. Viele junge Männer galten nun nicht mehr als arbeitslos, weil sie Arbeitsdienst leisten mussten oder Soldaten wurden.
Wurden die Zahlen geschönt?
Die offiziellen Arbeitslosenzahlen gingen stark zurück. Trotzdem muss man genau hinschauen. Manche Gruppen wurden aus der Statistik gedrängt oder tauchten dort nicht mehr auf.
Frauen wurden häufig aus dem Berufsleben gedrängt, besonders verheiratete Frauen. Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgte verloren Arbeitsplätze oder wurden aus Berufen ausgeschlossen. Auch Männer im Reichsarbeitsdienst oder in der Wehrmacht galten nicht als arbeitslos.
Deshalb waren die Zahlen nicht einfach „falsch“, aber sie zeigten nicht die ganze Wirklichkeit.
Arbeit statt Freiheit?
Für viele Menschen bedeutete ein Arbeitsplatz zunächst eine Verbesserung. Wer vorher arbeitslos war, konnte wieder Geld verdienen und seine Familie besser versorgen. Das erklärt, warum viele Menschen die Politik des NS-Regimes anfangs unterstützten oder hinnahmen.
Doch der Preis war hoch. Die freien Gewerkschaften waren zerschlagen. Streiks waren verboten. Arbeiterinnen und Arbeiter konnten ihre Interessen nicht mehr frei vertreten. Löhne und Arbeitsbedingungen wurden immer stärker vom Staat und von Arbeitgebern bestimmt. Die wirtschaftliche Erholung ging also mit politischer Unterdrückung einher.
Frag mal!
Waren die Autobahnen der Grund für weniger Arbeitslose?
Nein. Der Autobahnbau spielte eine Rolle, war aber nicht der wichtigste Grund. Entscheidender waren staatliche Ausgaben und vor allem die Aufrüstung.
Warum waren die Arbeitslosenzahlen im Nationalsozialismus geschönt?
Nicht alle Menschen wurden weiter als arbeitslos gezählt. Männer im Arbeitsdienst oder in der Wehrmacht fielen aus der Statistik. Viele Frauen und Verfolgte wurden aus dem Arbeitsmarkt gedrängt.
Was hatte die Aufrüstung mit Arbeit zu tun?
Die Vorbereitung auf Krieg schuf viele Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie, im Bauwesen und in der Armee.
Warum unterstützten manche Menschen Hitler wegen der Arbeit?
Viele hatten während der Weltwirtschaftskrise große Not erlebt. Ein neuer Arbeitsplatz bedeutete Sicherheit. Viele nahmen dafür Einschränkungen von Freiheit und Rechten hin oder verdrängten sie.
Blick zurück
Blick voraus
Was ist wichtiger: die Demokratie, die so genannte Freiheit oder die persönliche Existenz? Das ist eine Frage, die sich in vielen Ländern der Welt immer wieder stellt. Auch in Deutschland. Auch bei uns ist die Demokratie, die hart erkämpft wurde, immer wieder in Gefahr. Die Gesellschaft muss sie immer wieder neu aushandeln. Und Propagandisten gab es immer, gibt es und wird es immer geben.

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