NS-Berufsverbände
NS-Berufsverbände
Im Nationalsozialismus wurden nicht nur Parteien, Vereine und Gewerkschaften gleichgeschaltet. Auch viele Berufsgruppen wurden in nationalsozialistische Verbände eingebunden.
Dazu gehörten zum Beispiel Ärzte, Lehrer, Beamte und Juristen. Ihre Berufsverbände sollten nicht unabhängig arbeiten. Sie sollten sich an der Weltanschauung der Nationalsozialisten orientieren und das Regime unterstützen.
Das war besonders gefährlich, weil diese Berufe großen Einfluss auf die Gesellschaft hatten. Ärztinnen und Ärzte entschieden über Gesundheit und Krankheit. Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten Kinder und Jugendliche. Juristen arbeiteten mit Gesetzen, Gerichten und Urteilen. Wenn solche Berufsgruppen dem NS-Regime dienten, konnte die Diktatur noch tiefer in den Alltag der Menschen eingreifen.
NS-Ärztebund
Der NSDÄB wurde schon 1929 gegründet. Es handelte sich hierbei um keine Vertretung der deutschen Ärzte, sondern um einen Kampfbund. 1933 hatte die deutsche Ärzteschaft es eilig, sich möglichst schnell gleichzuschalten. So ordneten sich die Standesvertretungen schnell dem neuen Regime unter und begannen jüdische Mitglieder, noch bevor dies überhaupt verlangt wurde, auszugrenzen und aus den Verbänden auszuschließen. So wurden 45 % der deutschen Ärzte Mitglieder der NSDAP und 26 % traten der SA bei.
Dieser Bund schuf die Grundlagen für das spätere Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, dem Mord an tausenden unschuldiger Menschen. Die Organisation hatte auch Anteil an den Nürnberger Rassegesetzen. Viele Wissenschaftler waren Mitglieder des Bundes und forschten im Bereich der Volksgesundheit und setzten sich für die sogenannte Rassenhygiene ein.
Im Oktober 1942 - inmitten des Zweiten Weltkrieges - wurden die Tätigkeiten des Bundes eingestellt.
NS-Lehrerbund
Der NS-Lehrerbund wurde 1929 gegründet und hatte Bestand bis zum Jahr 1943. Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, war der Lehrerbund - abgekürzt NSLB - die einzige Organisation für Lehrer, die es in Deutschland noch gab. Ihre Aufgabe war in erster Linie, Lehrer darauf vorzubereiten, ihre Schülerinnen und Schüler ganz im Sinne des Nationalsozialismus zu erziehen. Hierfür gab es Fortbildungen. Die Hochschullehrer traten ebenfalls diesem Bund bei.
Am Anfang war die Bedeutung des Bundes gering und die Mitgliederzahl dürftig. Erst nach 1933 wuchs die Macht des Bundes. So hatte die Organisation Ende 1933 immerhin schon 250.000 Mitglieder. Im April 1932 waren es nur 4000.
Die Juristen
Auch Juristen wurden in nationalsozialistischen Verbänden organisiert. Zunächst gab es den Bund nationalsozialistischer Deutscher Juristen. 1936 wurde daraus der “Nationalsozialistische Rechtswahrerbund”.
Zu diesem Verband gehörten Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Notare und Rechtswissenschaftler. Der Verband wuchs bis zum Beginn des Krieges auf mehr als 100.000 Mitglieder.
Das war besonders wichtig für das Regime. Denn Juristen konnten helfen, Unrecht in scheinbar rechtliche Formen zu bringen. Gesetze und Gerichte wurden im Nationalsozialismus nicht genutzt, um alle Menschen zu schützen. Sie dienten oft dazu, Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt zu ermöglichen.
Hilfe der NS-Berufsverbände, die Diktatur zu stützen
Die NS-Berufsverbände zeigen deshalb: Eine Diktatur funktioniert nicht nur durch Polizei, Gewalt und Terror. Sie braucht auch Menschen in ganz normalen Berufen, die mitmachen, sich anpassen oder wegsehen.
Warum waren diese Berufsverbände wichtig?
Die nationalsozialistischen Berufsverbände halfen dem Regime, wichtige Bereiche der Gesellschaft zu kontrollieren: Medizin, Schule, Verwaltung und Recht.
Sie sorgten dafür, dass viele Menschen in ihren Berufen nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten handelten. Dadurch wurde die Diktatur nicht nur von oben durchgesetzt. Sie wirkte auch im Alltag: in Klassenzimmern, Arztpraxen, Behörden und Gerichtssälen.
Blick zurück
Schon vor 1933 gab es Berufsverbände, die die Interessen bestimmter Gruppen vertraten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele dieser Verbände gleichgeschaltet oder durch nationalsozialistische Organisationen ersetzt. Aus freien Berufsvertretungen wurden Werkzeuge der Kontrolle.
Blick voraus
In einer Demokratie ist es wichtig, dass Berufsgruppen unabhängig arbeiten können. Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer oder Juristinnen und Juristen tragen besondere Verantwortung. Sie sollen Menschen helfen, bilden oder Recht schützen. Im Nationalsozialismus wurden viele dieser Berufe in den Dienst der Diktatur gestellt. Das zeigt: Berufliche Verantwortung bedeutet auch, nicht einfach alles mitzumachen, was ein Staat verlangt.

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