Jugend gegen die Staatsmacht


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Roland Jahn (2012)
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Eine Minute Schweigen für den Weltfrieden: Aktion der Friedensgemeinschaft Jena auf dem Platz der Kosmonauten am 14. November 1982 in Jena.

Gerade junge Menschen lehnten sich gegen das als unmenschlich und unterdrückend empfundene Regime der DDR auf. Schon in der Sowjetischen Besatzungszone gab es gerade unter Jugendlichen und Studenten Widerstand. Der setzte sich vor allem Anfang der 1950er Jahre fort. Mehr dazu kannst du unter Jugend in Opposition lesen.

In den 1980er Jahren waren es ebenfalls viele junge Menschen, die oppositionelle Gruppen gründeten oder sich ihnen anschlossen, insbesondere in der Kirche und in Umwelt- und Friedensgruppen. In diesen "Nischen" war es möglich, sich etwas freier zu äußern. Sie trugen alle dazu bei, dass schließlich das Ende der DDR herbeikam. Hier ein paar Beispiele.

Johanna Kalex und das Friedensforum in Dresden

1982 rief eine Friedensgruppe, zu der auch die 17-jährige Johanna Kalex gehörte, zu einer Gedenkfeier an der Dresdner Frauenkirche auf. Dort sollte zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg mit Kerzen, Blumen und Gesang für den Frieden und Abrüstung sowie gegen die Militarisierung der Gesellschaft demonstriert werden. Die Kirchenleitung in Sachsen befürchtete Zusammenstöße der Demonstranten mit der Volkspolizei und der Stasi bei der nicht genehmigten Versammlung. Darum beschloss die Kirche, die Kreuzkirche in Dresden für ein Friedensforum zu öffnen. Tausende kamen in die Kirche und pilgerten anschließend in einem Schweigemarsch zur Frauenkirche. Seit diesem Jahr gab es jedes Jahr zum Jahrestag der Bombardierung Friedensdemonstrationen an der Frauenkirche.

Roland Jahn und die Friedensgruppe Jena

Einen eigenen Weg, sich für Frieden und Abrüstung einzusetzen, suchten junge Menschen in Jena. Sie bildeten eine eigene Gruppe: die Friedensgemeinschaft Jena (FG). Einige kamen aus der kirchlichen Jugendarbeit in Jena, andere stießen von außen hinzu. Einig war man sich darin, dass die Kirche zu wenig tue für die Friedensaktivisten. Antrieb für die Aktivitäten für den Frieden war zudem der ungeklärte Tod des Bürgerrechtlers Matthias Domaschk am 12. April 1981 in der Stasi-Untersuchungshaft in Gera. Eine erste Demonstration fand im April 1982 in der Innenstadt von Jena statt. Am 14. November 1982 erfolgte ein Schweigemarsch mit etwa 80 Personen und eigenen Plakaten. Eine ähnliche Aktion wurde am 24. Dezember 1982 von Sicherheitskräften zerschlagen

Zu den Aktivisten gehörte auch Roland Jahn (geboren 1953). Er wurde ab Mai 1982 mehrfach verhaftet und verhört, am 1. September 1982 kam er für sechs Monate in Untersuchungshaft. Im Januar 1983 erfolgte eine Welle weiterer Verhaftungen, doch auf internationalen Druck wurden die Gefangenen wieder freigelassen, darunter auch der inzwischen zu 22 Monaten Haft verurteilte Jahn.

Im März 1983 formierte sich die Gruppe unter dem Namen Friedensgemeinschaft Jena. Dabei waren Roland Jahn, Dorothea Rost und Andreas Friedrich. Am 18. März 1983, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg, demonstrierte die Gruppe erneut mit Plakaten und Slogans. Bei einer Kundgebung der FDJ (der staatlichen Jugendorganisation der DDR) am 19. Mai 1983 protestierte die FG erneut mit eigenen Plakaten gegen die Aufrüstung.

Im Mai 1983 begann die Stasi ihre Aktion "Gegenschlag": 40 Aktivisten wurden innerhalb von drei Tagen zur Ausreise gezwungen. Am 8. Juni 1983 wurde auch Roland Jahn gegen seinen Willen in den Westen abgeschoben: Man verhaftete ihn und sperrte ihn gewaltsam in einen Zug in die Bundesrepublik. Damit hatte die Stasi ihr Ziel erreicht: Die Friedensgemeinschaft war zerschlagen.

Ralf Hirsch und der Grenzfall

Ralf Hirsch (geb. 1960) trat 1974 aus der FDJ aus und war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. 1986  gehörte er zu den Mitbegründern der "Initiative Frieden und Menschenrechte". Sie ging aus mehreren, zuvor regional begrenzten Friedens- und Umweltgruppen hervor und war damit die älteste von Staat und Kirchen unabhängige Oppositionsgruppe der DDR.

Ralf Hirsch wurde ihr Sprecher. Außerdem gab er mit Peter Grimm und Peter Rölle den "grenzfall" heraus, eine Untergrundzeitschrift. Insgesamt erschienen 17 Ausgaben. 1988 wurde Hirsch nach der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration verhaftet und mit vielen anderen ohne Rückkehrrecht ausgewiesen.

Mehr über Jugendliche in der Opposition kannst du auf www.jugendopposition.de nachlesen.


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