Sinti und Roma

Sinti und Roma im Nationalsozialismus

Auch Sinti und Roma wurden im Nationalsozialismus verfolgt, verschleppt und ermordet. Schon vor 1933 erlebten sie Ausgrenzung und Vorurteile. Die Nationalsozialisten verschärften diese Diskriminierung und machten daraus eine rassistische Verfolgungspolitik.

In der NS-Ideologie galten Sinti und Roma als angeblich „minderwertig“ und „fremd“. Diese Begriffe waren Teil einer menschenverachtenden Rassenlehre. Die Nationalsozialisten nahmen ihnen Rechte, überwachten sie, sperrten sie in Lager und deportierten viele in Konzentrations- und Vernichtungslager.

Ausgrenzung und Entrechtung

Sinti und Roma wurden von Behörden und Polizei streng kontrolliert. Viele durften nicht mehr frei reisen oder ihren Beruf ausüben. Kinder wurden aus Schulen ausgeschlossen. Erwachsene verloren Arbeit oder wurden aus der Wehrmacht entlassen.

Auch die Nürnberger Gesetze wurden auf Sinti und Roma angewendet. Ehen und Beziehungen mit Menschen, die die Nationalsozialisten als „deutschblütig“ bezeichneten, wurden verboten. Viele Sinti und Roma wurden außerdem zwangssterilisiert. Sie sollten nach dem Willen der Nationalsozialisten keine Kinder mehr bekommen.

Kontrolle durch die Polizei

Für die Verfolgung der Sinti und Roma war besonders die Polizei zuständig. Die Nationalsozialisten erfassten Familien, legten Akten an und untersuchten Menschen nach rassistischen Kriterien.

1938 entstand in Berlin die Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens. Schon der Name zeigt die Verachtung der Täter. Er benutzte den abwertenden Begriff „Zigeuner“, den viele Sinti und Roma heute ablehnen.

In mehreren Städten wurden sogenannte „Zigeunerlager“ eingerichtet. Dort mussten Sinti und Roma unter schlechten Bedingungen leben. Sie waren von der übrigen Bevölkerung getrennt und standen unter ständiger Kontrolle.

Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau

Ab 1941 wurden viele Sinti und Roma in den Osten deportiert. Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler mit dem sogenannten Auschwitz-Erlass die Deportation vieler Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau an. Dort richtete die SS ein eigenes Lager für Sinti und Roma ein, das sie „Zigeunerfamilienlager“ nannte.

Die Menschen litten dort unter Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, Gewalt und medizinischen Experimenten. Viele Kinder waren unter den Opfern. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 löste die SS das Lager auf. Die noch dort lebenden Sinti und Roma wurden ermordet. An dieses Verbrechen erinnert heute der Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma am 2. August.

Der Völkermord an den Sinti und Roma

Die Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma aus vielen Ländern Europas. Die genaue Zahl der Opfer ist schwer zu bestimmen, weil viele Morde nicht dokumentiert wurden. Häufig werden etwa 220.000 bis 500.000 ermordete Sinti und Roma genannt.

Der Völkermord an den Sinti und Roma wird auch Porajmos genannt. Dieses Wort stammt aus dem Romanes und bedeutet sinngemäß „das Verschlingen“. Manche Angehörige der Minderheit verwenden auch andere Begriffe, zum Beispiel Samudaripen.

Lange wurde das Leid der Sinti und Roma nach 1945 kaum anerkannt. Viele Überlebende mussten weiter gegen Vorurteile kämpfen. Erst spät wurde der Völkermord stärker öffentlich erinnert.