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26.4.1986

Katastrophe von Tschernobyl

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Der einbetonierte Reaktor von Tschernobyl im Jahre 2003
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Hier geschah die Katastrophe: Blau gefärbt ist die Ukraine. Tschernobyl liegt im Norden, nah zur Grenze von Weißrussland. 1986 gehörten beide Staaten noch zur Sowjetunion.
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Solche Medaillen erhielten die Liquidatoren

Die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Nutzung von Atomenergie ereignete sich am 26. April 1986.

Was war passiert?

Im Atomkraftwerk von Tschernobyl schmolz der Reaktorkern, als man das neue Notstromsystem testen wollte. Dafür wurde ein Stromausfall vorgetäuscht. Geltende Sicherheitsvorschriften wurden dabei außer acht gelassen. Das Kühlsystem arbeitete daraufhin nicht ordnungsgemäß, die Temperatur stieg immer weiter an und schließlich kam es zu einer Serie von Explosionen. Die Reaktorhülle flog in die Luft, eine radioaktive Wolke breitete sich aus. Fast tausend Meter hoch sprühten radioaktive Teilchen hoch in den Himmel. Die Strahlung betrug ein Vielfaches von dem, was bei der Atombombenexplosion in Hiroshima 1945 freigesetzt worden war.

Die Reaktion

Der nah gelegene Ort Prypjat wurde am 27. April evakuiert, die weitere Umgebung bis 30 km um den Reaktor in den folgenden Tagen. Erst am 28. April meldeten die sowjetischen Nachrichten den Unfall, verharmlosten aber die Tragweite. Das Ausmaß der Katastrophe wurde erst nach und deutlich, auch als schwedische Behörden erhöhte Strahlung maßen und in Moskau nachfragten.

Aufräumarbeiten

Mehrere hunderttausend  "Liquidatoren" (Aufräumarbeiter) wurden in den folgenden Wochen und Monaten eingesetzt, um die Verseuchung zu beseitigen. Sogar Roboter versagten wegen der hohen Strahlung ihren Dienst. Der Einsatz der Liquidatoren war lebensgefährlich. Sie mussten zum Beispiel Schutt vom Dach des kaputten Reaktors holen. Wegen der hohen Strahlung durften sie nur 40 Sekunden auf das Dach. Um den Reaktor wurde bis zum November zudem ein Betonmantel ("Sarkophag") errichtet. Viele der Liquidatoren starben oder wurden krank.

Folgen auch für Europa

Die radioaktive Wolke verbreitete sich mit dem Wind über Europa sowie Vorderasien und Nordafrika. Auch in Deutschland wurde erhöhte Strahlung gemessen. Am 12. Mai stoppte die EG die Einfuhr von strahlengeschädigten Lebensmitteln aus Osteuropa. Am 21. Mai wurde Landwirten eine Soforthilfe gewährt, nachdem sie viele Erzeugnisse wegen radioaktiver Verseuchung nicht verkaufen konnten.

Viele Menschen waren verunsichert. Angst herrschte vor allem vor Regen, denn mit dem Niederschlag kam auch Radioaktivität herunter. Regen sollte darum vermieden werden, Regenkleidung und Schuhe nicht mit ins Haus gebracht werden. Kinder sollten nicht mehr auf Spielplätzen spielen.

Bestimmte Lebensmittel sollten nicht gegessen werden. Frischmilch und Blattgemüse zum Beispiel wiesen höhere Belastungen auf. Pilze, Waldbeeren und Wildtiere sind in einigen Gebieten bis heute hoch belastet, denn die Radioaktivität baut sich nur langsam über Jahrzehnte und Jahrhunderte ab.

Eine Folge war auch, dass die Diskussion um Atomenergie erneut aufflammte, zumal zur selben Zeit die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf geplant wurde. Nicht nur in der Bevölkerung sah man Atomkraft mehr und mehr kritisch, auch in der Politik gab es nun mehr Stimmen, die sich für einen Ausstieg einsetzten. Die Planungen für mehrere Atomkraftwerke wurden nicht mehr weiter verfolgt.


 
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