Hintergrundbild Epoche
Klaus Kordon
Die roten Matrosen

Aus der Sicht des 13-jährigen Helmut, genannt Helle, erzählt Klaus Kordon in "Die roten Matrosen" vom Beginn der Weimarer Republik. Helle wohnt in Berlin und erlebt hautnah die aufregenden Tage der Novemberrevolution im Jahr 1918 mit.  Helles persönliche Situation wird verknüpft mit einem der spannendsten Zeitpunkte deutscher Geschichte.

Eingebettet in die politischen Ereignisse wird lebendig auch aus seinem Alltag berichtet: Wie Helle sich um seine kleinen Geschwister kümmern muss, wie Hunger und Armut herrschen, wie er und seine Freunde den Rohrstock des Lehrers zu spüren bekommen. Ja, sogar das ganze Berliner Mietshaus in der Ackerstraße 37, 4. Hinterhof, wird lebendig!

Während der ersten Tage der Novemberrevolution lernt Helle zwei der aufständischen Matrosen kennen und freundet sich mit ihnen an. Auch Helles Eltern sind Anhänger der Spartakisten. Helle schleicht sich in die Versammlung im Zirkus Busch, er hört Rosa Luxemburg bei einer Rede zu, er besucht die Matrosen im Stadtschloss und er ist beim Januaraufstand dabei. Geschichte hautnah und spannend erzählt!

"Die roten Matrosen" ist der erste Band aus der "Trilogie der Wendepunkte". Wer mehr von der Familie Gebhardt erfahren möchte, liest weiter in "Mit dem Rücken zur Wand", das 1932/33 spielt, und "Der erste Frühling", das von 1945 handelt.

Klaus Kordon: Die roten Matrosen
Beltz Verlag
Jugendroman – empfohlen ab 12 Jahren – spielt 1918/1919

Klaus Kordon
Mit dem Rücken zur Wand

Der zweite Teil von Klaus Kordons Trilogie der Wendepunkte in der deutschen Geschichte spielt 1932/33. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und somit das Ende der Weimarer Republik wird aus der Sicht von Hans Gebhardt erzählt, dem kleinen Bruder von Helle aus dem ersten Band.

Hans ist 14 Jahre alt und beginnt in einer Maschinenfabrik zu arbeiten. Er hat Glück, dass er überhaupt Arbeit gefunden hat, denn Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen im Land. Hans ist begeisterter Turner und lebt mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder Murkel im Berliner Stadtteil Wedding – eine typische Arbeiterfamilie jener Zeit. Auch Martha begegnen die Leser des ersten Teils wieder. Sie ist inzwischen erwachsen und wohnt in der Dachkammer. Als sie sich in den SA-Mann Günter verliebt, kommt es zum Zerwürfnis mit der Familie.

Die Machtübernahme Hitlers wird eindringlich und mit ihren Auswirkungen auf diejenigen gezeichnet, die sich den Nazis nicht beugen wollen. Obwohl Hans selber zunächst nicht politisch engagiert ist, wird er gezwungen, Position zu beziehen. Er verliebt sich in Mieze, ein mutiges jüdisches Mädchen. Er hilft seinem Bruder Helle, Untergetauchte zu verstecken. Er legt sich mit SA-Männern an, er wird fast zu Tode geprügelt.

Eindringlich macht Kordon klar, was es bedeutete, 1933 zu leben. Als beim Reichstagsbrand den Kommunisten die Schuld in die Schuhe geschoben wird, werden Helle und seine Frau auf der Flucht verhaftet. Ihre kleine Tochter Änne haben sie bei Hans und seinen Eltern in Sicherheit gebracht – ein Wiedersehen mit ihr gibt es im 3. Teil der Trilogie "Der erste Frühling", der 1945 spielt.

Klaus Kordon: Mit dem Rücken zur Wand

Beltz Verlag
Jugendroman – empfohlen ab 12 Jahren – spielt 1932/1933

Willi Fährmann
Zeit zu hassen, Zeit zu lieben

Willi Fährmanns "Zeit zu hassen, Zeit zu lieben" ist eines der wenigen Kinder- und Jugendbücher zum Thema Weimarer Republik. Der Roman beginnt am 12. Januar 1919 mit dem Ende des Spartakusaufstandes in Berlin. Der 20-jährige Paul Bienmann beobachtet, wie ein Freikorps-Angehöriger einen jungen Aufständischen erschießt. Bei diesem ist sein Bruder Bruno. Paul nimmt sich des 13-jährigen Bruno an. Er kennt ihn aus seinem Heimatdorf in Ostpreußen. Bruno bleibt bei Paul, auch als dieser sich schließlich auf der Suche nach Arbeit ins Ruhrgebiet begibt. Bruno schwört sich, den Mörder seines Bruders zu finden.

Der Alltag der 1920er Jahre mit all seinen Unterschieden zu heute wird lebendig beleuchtet. So erlebt der Leser beispielsweise die Zugfahrt in der 4. Klasse von Berlin ins Ruhrgebiet mit oder Pauls Arbeitssuche und das harte Leben in Armut und mit Hunger. Nach einer kurzen Trennung finden Paul und Bruno wieder zusammen und Paul wird schließlich Brunos Vormund. Aus ihrer beider Sicht, aber auch aus der von Menschen, denen sie begegnen, werden die Ereignisse der Jahre geschildert. Da gibt es genauso einen Anhänger der NSDAP wie der KPD, Monarchisten genauso wie Sozialdemokraten.

Als Bruno tatsächlich eine Spur zum Mörder seines Bruders findet, muss er sich entscheiden – für die Rache oder für Paul und dessen Verlobte Franziska, deren Zukunft durch eine solche Tat Brunos ebenfalls zerstört werden würde.

Das Buch ermöglicht das Eintauchen in die Vergangenheit, die lebendig erzählt wird. Gleichzeitig wird Geschichte hautnah durch die Augen und Ohren von Paul und Bruno erlebt. Die historischen Details sind gut recherchiert, wobei es von Vorteil ist, schon ein wenig über die Ereignisse zu wissen. Ein Glossar erklärt zwar kurz die historischen Persönlichkeiten, vor allem die Politiker jener Zeit, aber keine weiteren Hintergründe.

Über die Familie Bienmann hat Willi Fährmann vier Bücher geschrieben, die zusammen die "Bienmann-Saga" bilden. "Der lange Weg des Lukas B." spielt ab 1870, "Das Jahr der Wölfe" ab 1944/45, also im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Den Abschluss bildet "Kristina, vergiss nicht", das in der Bundesrepublik spielt.

Willi Fährmann: Zeit zu hassen, Zeit zu lieben
Arena Verlag
Jugendroman - empfohlen ab 12 Jahren – spielt 1919-1923

Peter Berger
Im roten Hinterhaus

Stell dir vor, du hast sieben Geschwister. Mit ihnen, deinen Eltern, deinem Schwager und deinem Neffen lebst du in einer 4-Zimmer-Wohnung. 12 Personen! Das Bett musst du mit deinem Bruder teilen. So ergeht es dem 11-jährigen Manni "Im roten Hinterhaus". Die Weltwirtschaftskrise und mit ihr Arbeitslosigkeit und Armut bekommen sein Familie hautnah zu spüren. Unübersehbar ist auch der Aufstieg Hitlers an die Macht. Und während Mannis Bruder Erich den Nazis beitritt, liebäugelt der Vater mit den Kommunisten. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Die Not der Zeit wird nicht nur daran deutlich, dass Salzkartoffeln mit saurer Gurke das am häufigsten servierte Gericht ist, sondern auch daran, welche Jobs die Familienmitglieder gezwungen sind anzunehmen. In der Not fängt der Vater sogar Ratten für ein Chemielabor. Zeitweise ist Manni der Alleinverdiener, indem er Zeitungen austrägt. Der Vater versucht sich immer wieder in anderen Jobs, er entlädt Schwefelkies von den Rheinschiffen, züchtet Hunde und sogar Hühner und nimmt schließlich eine Tätigkeit als Hausmeister an.

Manfreds Weg durch diese Zeit wird fast dokumentarisch beschrieben. Der Leser lernt eine Reihe von verschiedenen Personen kennen und kann sich in die Zeit hinein fühlen. Vor allem die Unterschiedlichkeit der Geschwister wird lebendig geschildert. Deutlich wird auch, wie "normal" es in den 1930er Jahren war, Hitler zu glauben und zu folgen. Obwohl sowohl Manni als auch später Erich Ereignisse um sie herum kritisch betrachten, werden sie nicht zu Gegnern des Nationalsozialismus.

Peter Berger: Im roten Hinterhaus
Arena Verlag
Jugendroman - empfohlen ab  13 Jahre – spielt 1929-1939

Willi Fährmann
Der Mann im Feuer

"Der Mann im Feuer" gehört zur Fink-Saga. In diesem Band geht es um den 16-jährigen Christian Fink. In dem Dorf, in dem er lebt, ist er ein Außenseiter, ohne zu wissen, warum. Sein persönliches Schicksal und die Suche nach seinem leiblichen Vater verknüpft Willi Fährmann mit den gesellschaftlichen Problemen und den politischen Ereignissen von 1932.

Christian zieht mit einer Gruppe lippischer Ziegler ins Ruhrgebiet. Lippe war damals ein Staat der Weimarer Republik. Weil es dort wenig Arbeit gab, zogen viele Männer als Wanderarbeiter zu den Ziegeleien. Dort lebten sie während des Sommers in Hütten und arbeiteten in kleinen Gruppen in der Ziegelei.

Über dieses Zieglerwesen ist ebenso viel zu erfahren wie über die politischen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. Das unruhige Jahr 1932 vor Hitlers Machtergreifung wird lebendig vor dem Hintergrund von Christians persönlichem Schicksal.

Willi Fährmann: Der Mann im Feuer
Arena Verlag
Jugendroman - empfohlen ab 13 Jahre – spielt 1932

Waldtraut Lewin
Leonie Lasker, Jüdin: Die drei Zeichen

1923. Leonie ist 16 Jahre alt, lebt in Berlin und hat gerade die Schule beendet, als eine Einladung von entfernten Verwandten nach Frankreich eintrifft. Leonie folgt der Einladung und lernt dort ihre Großtante Isabelle kennen, die sie mit einer Mission beauftragt: Leonie soll die drei goldenen Buchstaben finden, die Isabelles Brüder einst erhielten. Mit Hilfe dieser drei Zeichen will die Tante ein schlimmes Unglück verhindern. Leonie erfährt auch, dass sie offenbar jüdische Vorfahren hat, was ihr Vater ihr nie erzählte.

Der erste Buchstabe soll sich in Berlin im Besitz ihrer eigenen Familie befinden. Die Suche führt Leonie ins Scheunenviertel, wo vor allem Juden lebten. Ihr Onkel besitzt dort ein Theater. Leonie lernt ihren Cousin Schlomo kennen und verliebt sich. Das führt zu einem Zerwürfnis mit ihrem Vater, denn der gehört den Deutschnationalen an und ist völkisch gesinnt. Seine jüdische Herkunft verleugnet er.

Auf spannende Weise vermittelt Waltraud Lewin viele historische Fakten zum Judentum und den historischen Gegebenheiten, etwa zur Legende des Golem, zu den Pogromen im Berliner Scheunenviertel im Jahr 1923 oder den Unterschieden zwischen sephardischen und askenasischen Juden.

Leonies Geschichte führt sie in Band 2 (Dunkle Schatten) auf der Suche nach dem zweiten Zeichen ins Wien des Jahres 1924, Band 3 (Welt in Flammen) spielt 1926 vor allem in Spanien.

Waldtraut Lewin: Leonie Lasker, Jüdin: Die drei Zeichen (Band 1)

Cbj Verlag
Jugendroman – empfohlen ab 13 Jahre – Band 1 spielt 1923

Inge Barth-Grözinger
Beerensommer

Die 19-jährige Anna versucht nach dem Tod ihrer Mutter etwas über ihre Herkunft und die Familie herauszufinden. Sie reist in den Schwarzwald, nach Grunbach.

Dort fing im Jahr 1911 alles an. Der 10-jährige Friedrich muss mit Mutter und Geschwistern ins Armenhaus ziehen. Johannes – der später Annas Urgroßvater sein wird - wohnt dort seit seiner Geburt. Die beiden unterschiedlichen Jungen freunden sich an und entzweien sich später, zunächst wegen eines Mädchens, dann stehen sie auch politisch auf gegensätzlichen Seiten.

Der Roman von Inge Barth-Grözinger umfasst mehrere Jahrzehnte, wobei der Schwerpunkt auf Kindheit und Jugend der beiden Jungen und somit in der Kaiserzeit liegt. Die Weimarer Republik steht also nicht im Mittelpunkt, bildet aber dennoch eine wichtige Episode im Buch. Die Auswirkungen der Inflation und der Weltwirtschaftskrise auf den Alltag der Menschen in dem Schwarzwälder Dorf wird genauso deutlich wie die politische Zersplitterung und die Gründe, warum sich der eine dem Kommunismus zuwendet, der andere die Nationalsozialisten unterstützt.

Ein Stammbaum vorne im Buch verdeutlicht die bisweilen komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse, eine Zeittafel hinten informiert über die wichtigsten politischen Ereignisse von 1914 bis 1990.

Inge Barth-Grözinger: Beerensommer

Thienemann
Jugendroman – empfohlen ab 13 Jahre – umfasst die Zeitspanne 1911 bis 1950 bis heute

Erich Kästner
Emil und die Detektive

Erich Kästner schrieb "Emil und die Detektive" schon 1929 – und noch immer lieben Kinder die Geschichte über den Jungen, der im Zug bestohlen wird und sich in Berlin auf die Suche nach dem Dieb macht. Mehrfach wurde der Stoff verfilmt, zuletzt 2001 mit Jürgen Vogel als Bösewicht im "steifen Hut". Doch nicht nur der Film lohnt sich anzusehen. Das Original in Buchform strahlt den Geist der Zeit, in der es geschrieben wurde, eben besonders aus – während der Film in die heutige Zeit versetzt wurde. Und spannend ist die Geschichte allemal!

In Kästners Vorwort ist denn auch zu erfahren, dass der Autor ja eigentlich einen Südseeroman schreiben wollte. Wie es dazu kam, dass es doch eine Berliner Geschichte wurde und warum Emil mit Nachnamen Tischbein heißt, verrät er auf diesen ersten Seiten. Wunderbar auch die dann folgende Vorstellung der Mitwirkenden, jeweils mit einer Zeichnung aus der Feder von Walter Trier, dessen Bilder bis heute die Buchcover von Kästners Kinderbüchern so unnachahmlich schmücken.

Spannend wird dann erzählt, wie der "Herr im steifen Hut" mit dem Namen Grundeis Emil im Zug bestiehlt, während dieser schläft. Emil steigt eine Station zu früh aus, um den Mann zu verfolgen und so nimmt das Geschehen seinen Lauf. Mit Hilfe von Gustav mit der Hupe und dessen Freunden schaffen es die "Detektive" schließlich…. Nun – lest selbst!

Erich Kästner: Emil und die Detektive

Dressler Verlag
Kinderbuch - empfohlen ab 10 Jahre - erschienen 1929, spielt in den 1920er Jahren

Erich Kästner
Pünktchen und Anton

Pünktchen und Anton sind Freunde. Während Pünktchens Vater, Herr Pogge, Fabrikdirektor ist und die Familie in einem großen Haus lebt, ist Antons Mutter krank und bettelarm. So muss Anton Geld dazuverdienen und ist darum auch oft müde in der Schule. Kennengelernt haben sich die beiden abends auf der Straße. Pünktchen verkauft dort mit ihrem neuen Kindermädchen Fräulein Andacht Streichhölzer. Das Geld dafür liefert sie bei ihrem Verlobten Robert ab. Anton verkauft, wenn auch mit weniger Erfolg als Pünktchen, Schnürsenkel. Als der böse Robert in das Haus der Pogges einbrechen will, heckt Pünktchen einen Plan aus...

Erich Kästner schrieb das Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft im Jahre 1931. Nicht nur wenn von gerissenen Strumpfhaltern, der Volksküche oder einem Automatenrestaurant die Rede ist, atmet das Buch den Geist seiner Zeit. Trotzdem hat es an Aktualität bis heute nichts verloren und das ist das wirklich Faszinierende an diesem Buch. Das gilt noch mehr für Kästners "Nachdenkereien", die er zwischen die Kapitel eingestreut hat. Was er "Vom Mut", "Von der Armut" oder "Von der Freundschaft" zu sagen hat, hat auch heute noch Bestand. Und schließlich ist vor allem Pünktchen eine wahre Sympathieträgerin, die die Leserschaft mit ihren lustigen Einfällen und tollen Wortschöpfungen immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Erich Kästner: Pünktchen und Anton
Dressler - empfohlen ab 10 Jahren - spielt 1931

Erich Kästner
Das fliegende Klassenzimmer

"Das fliegende Klassenzimmer" gehört zu den Klassikern der Kinderbuchliteratur. Es erschien erstmals 1933. Dass die Themen an Aktualität nichts verloren haben, beweisen die immer wieder neuen Verfilmungen. Wer aber die Atmosphäre der Zeit, in der das Buch entstand, atmen möchte, sollte zum Lesestoff greifen!

Sehr typisch für die Zeit Anfang der 1930er Jahre ist die Feindschaft zwischen zwei Gruppen. Politische Gruppierungen lauerten einander auf und verprügelten sich, aber auch, wie in diesem Fall, Schüler eines Gymnasiums und einer Realschule. Vor allem aber geht es in dem Buch um Freundschaft. Fünf ganz unterschiedliche Jungen halten zusammen und stehen einander bei. Keiner macht sich über den anderen oder seine "Schwächen" lustig. Mut ist ein anderes Thema, das Kästner am Herzen liegt. Dabei geht es ihm nicht um Tollkühnheit, sondern um Mut im Sinne von Zivilcourage.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer
Dressler  - empfohlen ab 10 Jahren - spielt Anfang der 1930er Jahre

Klaus Kordon
Die Zeit ist kaputt

Wer war dieser Erich Kästner, der zur Zeit der Weimarer Republik Kinderbücher schrieb, die einen ganz neuen Ton atmeten? Klaus Kordon geht dem in seiner Biografie über den berühmten Schriftsteller nach.

Kästner lebte von 1899 bis 1974. Nur eine vergleichsweise kurze Zeitspanne  gehört davon in die Weimarer Republik, die genau 14 Jahre dauerte. Will man aber Kästners Kinderbücher verstehen und mehr über die Hintergründe erfahren, findet man in der Biografie viele Anknüpfungspunkte. Denn vieles in den Büchern hat Kästner aus seinem Leben übertragen. Emil etwa dürfte so manche Züge von Erich selber haben (zumal er eigentlich Emil Erich hieß), seine Mutter verdiente Geld als Friseuse so wie Emils Mutter. Die enge Bindung Emils zur Mutter entspricht Erichs lebenslangem nahem Verhältnis zu seiner Mutter.

Auch über das Leben in der Weimarer Republik ist einiges zu erfahren. Es ist die Zeit, in der Kästner Karriere macht, die Zeit, in der er in Berlin lebt, in der er aber auch schon erste Anzeichen von Verfolgung zu spüren bekommt. Und natürlich sind auch die nachfolgenden Abschnitte aus der Zeit der NS-Diktatur und später der Bundesrepublik spannend zu lesen. Immer ist Kästners Lebensgeschichte eng verknüpft mit den gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit.

Klaus Kordon: Die Zeit ist kaputt. Die Lebensgeschichte des Erich Kästner
Beltz & Gelberg - empfohlen ab 13 Jahre

Wolf Durian
Kai aus der Kiste

"Kai aus der Kiste" erschien erstmals 1924 als Fortsetzungsroman in einer Kinderzeitung, 1926 dann als Buch. Weniger berühmt als Erich Kästners Kinderbücher, zählt es dennoch zu den Klassikern der Kinderliteratur. Und wie Kästners Bücher spiegelt es den Geist seiner Zeit wunderbar wieder, ohne dabei an Aktualität verloren zu haben. Worum geht es?

Kai ist ein Berliner Straßenjunge und Anführer einer Bande, der "Schwarzen Hand". Als der amerikanische Schokoladenkönig Mister Joe Allen einen Reklamekönig sucht, stellt sich Kai dem Wettbewerb mit dem Reklameagenten Kublanski. Beide haben zwei Tage Zeit, so viel Werbung wie möglich für die beiden neuen Schokoladen TUT und TAT zu machen... Wie das ausgeht und warum Kai "aus der Kiste" kommt? Das findet selbst heraus!

Falls ihr euch auch für den Schreibstil interessiert: "Kai aus der Kiste" zeigt die typischen Elemente der Neuen Sachlichkeit. Die Sprache ist nüchtern und schnörkellos, die Handlung auf das Wesentliche konzentriert. Alles wird wie mit einer kamera aufgezeichnet. Aktuell zum Erscheinungsdatum war natürlich auch das Thema Werbung, die man damals noch Reklame nannte. Überall tauchte diese plötzlich auf, als Leuchtreklame, an Plakatsäulen, ja, sogar am Himmel - das faszinierte die Menschen.

Wolf Durian: Kai aus der Kiste
Dressler - empfohlen ab 10 Jahren - spielt Mitte der 1920er Jahre

Inge Barth-Grözinger
Geliebte Berthe

1923 kommt Bertha in den Dienst bei Professor Fabricius in Stuttgart. Der Professor bringt ihr nicht nur Französisch bei, sondern Bertha entdeckt auch ihre Liebe zu Frankreich. Die Deutschen aber hegen zu dieser Zeit einen Groll auf alles Französische, nicht nur, weil das Rheinland durch die Franzosen besetzt worden ist. Aus dem Ersten Weltkrieg ging Frankreich als Sieger hervor und Deutschland musste Elsass-Lothringen an den Nachbarn abgeben.

Noch immer sind die Auswirkungen des Krieges überall zu spüren. Berthas Bruder Georg kam zwar ohne äußere Verletzungen zurück, aber innerlich doch verändert. Er wendet sich den Kommunisten zu und muss aus Deutschland fliehen. Bertha macht sich schließlich auf die Suche nach ihm. Ihre Suche führt sie  an die Grenze von Frankreich. In Straßburg verliebt sie sich in Armand. Kann eine solche Liebe von zwei Menschan aus miteinander verfeindeten Nationen Bestand haben?

Inge Barth-Grözinger: Geliebte Berthe
Thienemann - empfohlen ab 13 Jahre - spielt 1923 bis (im letzten Kapitel) 1965

Renate Welsh
Johanna

Niederösterreich zu Beginn der dreißiger Jahre. Johanna ist als uneheliches Kind überall unerwünscht. Schon als Baby hat ihre Mutter sie in eine Pflegefamilie gegeben, mit 13 Jahren wird sie nun einem Armenrat in einem fernen Dorf übergeben. Johannas Hoffnung, dass sie etwas lernen darf, Schneiderin oder Friseurin werden darf, zerschlagen sich schnell.

Auf dem Hof des Amenrats muss sie jahrelang ohne Bezahlung schuften. Doch Johanna will selbst über ihr Leben bestimmen. In einer Zeit, in der der Nationalsozialismus auch in Österreich seine Schatten vorauswirft, Arbeitslosigkeit und Armut sich breit machen, befreit sich Johanna langsam aus der Abhängigkeit vom Bauern. Als sie selber schwanger wird, sucht sie sich einen eigenen Weg.

Im Nachwort erklärt Renate Welsh die politischen Verhältnisse Anfang der dreißiger Jahre in Österreich.

Renate Welsh: Johanna
rororo - empfohlen ab 13 Jahre -spielt 1931-1936

Peter Zolling
Deutsche Geschichte ...

Nicht nur die Weimarer Republik behandelt Peter Zolling in seinem Buch, sondern die deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart und der Kanzlerschaft Angela Merkels. Wie auch der Untertitel sagt, lässt sich so gut nachvollziehen, "wie Deutschland wurde, was es ist". Die locker geschriebenen Texte lassen sich leicht lesen, einige Fotos lockern das Ganze auf, im Anhang findet sich eine Zeittafel.

Peter Zolling: Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart: Wie Deutschland wurde, was es ist
dtv - empfohlen ab 13 Jahre

Frank M. Reifenberg, Gina Mayer
Die Schattenbande legt los

Die Schattenbande - das sind Otto, Klara, Paule und Lina. Sie leben Ende der 1920er Jahre in Berlin - zur Zeit der Weimarer Republik, als die Weltwirtschaftskrise auch Deutschland fest im Griff hat. Die vier Kinder sind aus dem Waisenhaus geflohen und leben nun auf der Straße. Wie viele andere Kinder damals auch. Die Welt ist überhaupt noch eine ganz andere als unsere heute.

Eines Tages wird die russische Großfürstin ermordet - und Otto wird von der Polizei am Tatort gefunden. Die Polizei steckt ihn ins Gefängnis. Da sehen seine Freunde nicht tatanlos zu! Natürlich wollen sie herausfinden, wer wirklich hinter dem Mord steckt. Warum war "Soljanka" das letzte Wort, das die Großfürstin über die Lippen brachte und was bedeutet es? Und was sind die sagenumwobenen "Tränen der Zarin"?

Ein rundum zu empfehlendes Kinderbuch, das schon jungen Lesern ab 10 Jahren die Zeit vor knapp 100 Jahre nahebringt und dazu viel Spannung in sich birgt! Mehr von den vier Kindern gibt es im zweiten Band: "Die Schattenbande jagt den Entführer!".

Frank M. Reifenberg, Gina Mayer und Gerda Raidt:
Die Schattenbande legt los!

bloomoon 2014 - empfohlen ab 10 Jahren - spielt Ende der 1920er Jahre

  • Hintergrund BRD
  • Hintergrund DDR

Gefördert in den Jahren 2011 bis 2013 von:

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