Hintergrundbild Epoche

Paula Fürst und die jüdischen Kinder


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Paula Fürst mit „ihren“ Kindern.
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1938/1939 gingen einige Kindertransporte nach Großbritannien. Dadurch konnten 10 000 Kinder gerettet werden. Auf diesem Foto siehst du Kinder aus Polen. Oft waren die Kinder die einzigen Überlebenden in den Familien.

Paula Fürst steht als Beispiel für Mut. Sie hat, obwohl sich ihr die Gelegenheit geboten hätte, die ihr anvertrauten Schützlinge nicht verlassen. So zählt sie zu den Rettern, obwohl sie selbst verfolgt wurde.

Paula Fürst als Montessori-Lehrerin

Paula Fürst war Lehrerin an einer Montessori-Schule, die vor allem das Kind und seine individuelle Entwicklung in den Mittelpunkt rückte. Das passte so gar nicht in das Bild der Nationalsozialisten, die bei Kindern auf Uniformität und unbedingten Gehorsam und Unterordnung pochten, ganz anders als die Vertreter dieser pädagogischen Richtung.

Paula Fürst als Jüdin

Paula Fürst war noch dazu Jüdin. So stempelte man die Montessori-Pädgagogik als "jüdische Pädagogik" ab, die undeutsch wäre und sich gegen die Vorstellung einer Volksgemeinschaft wandte. Paula Fürst übernahm die Leitung einer jüdischen Privatschule, die zu dieser Zeit großen Zulauf erfuhr. Vielen jüdischen Kindern erging es an den deutschen Schulen sehr schlecht, sie wurden gehänselt und verachtet. So schickten die Eltern ihre Kinder auf private jüdische Schulen, sofern sie das konnten.

Paula Fürst zuständig für das jüdische Schulwesen in Deutschland

Ab 1938 wurden die jüdischen privaten Schulen verboten. Doch brauchten die Kinder irgendwie eine Schulbildung. So übernahm Paula Fürst den Vorsitz einer Einrichtung, die sich um die schulische Ausbildung der Kinder kümmern sollte. Trotz der schwierigen Situation - vor allem nach 1938 - gelang es Paula Fürst, eine gewisse Ordnung in das jüdische Schulsystem zu bringen. Doch ab 1939 wurde klar, vielen konnte nur noch die Flucht ins Ausland helfen. So begleitete Paula Fürst im August 1939 einen Kindertransport nach London. Über 10 000 Kinder erhielten die Möglichkeit, aufgrund gelockerter Aufnahmebedingungen, nach Großbritannien auszureisen und dort versorgt zu werden.

Der Kindertransport und die mögliche Rettung

Paula Fürst hätte mit den Kindern in Großbritannien bleiben können. Viele haben es ihr nahe gelegt. Doch Paula Fürst lehnte ab. Ihr Pflichtgefühl den Kindern gegenüber und ihr Verantwortungsgefühl ließen eine Flucht nicht zu. Sie wollte die in Deutschland lebenden jüdischen Kinder weiter unterstützen und verzichtete darauf, Hitler-Deutschland zu verlassen und in die Emigration zu gehen.

Sie versuchte den Kindern weiterhin eine geregelte Schule zu verschaffen, was im Laufe der Zeit immer schwieriger wurde. Ende Juni 1942 waren alle jüdischen Schulen geschlossen. Der Transport der Juden in die Vernichtungslager im Osten befand sich schon lange im vollen Gange. Am 24. Juni 1942 wurde Paula Fürst Richtung Osten transportiert. Es verlor sich ihre Spur, wir wissen nicht, wo und in welchem Vernichtungslager sie ermordet wurde.

Paula Fürst als Retterin

Paula Fürst hatte wie nur wenige die Gelegenheit, sich persönlich in Sicherheit zu bringen. Sie nutzte sie nicht, obwohl sie wusste, welches Risiko sie einging. Ihr Engagement kostete sie das Leben, allerdings nicht, ohne dass es gleichzeitig das Leben vieler Kinder bereichert hat. Deshalb zählt sie zu den Retterinnen während der NS-Zeit.


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