Hintergrundbild Epoche

Otto Wagner in Wien und die Moderne


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Dieses 1877 von Otto Wagner entworfene Gebäude trägt eindeutig noch Züge des Historismus.
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Bei der Fassadengestaltung sieht man eindeutige Elemente des Jugendstils, wie die Blumenornamente.
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U-Bahnhof in Wien
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Dieses Gebäude in der Döblergasse in Wien trägt schon sehr moderne Züge. Auf Schnörkel wurde verzichtet.

Während viele Architekten der Jahrhundertwende sich dem Historismus verpflichtet fühlten und Schnörkel und barocke Formen zum vorherrschenden Stilmittel machten, setzte sich der Wiener Architekt Otto Wagner (1841 - 1918) von den Vorbildern seiner Zeitgenossen ab und ging eigene Wege.

Architekt der Stadt Wien

Otto Wagners Architektur verwies schon auf die Moderne, auch wenn er sich zu Beginn seiner Laufbahn noch am Zeitgeschmack orientieren musste. Ende des 19. Jahrhunderts war Otto Wagner der bedeutendste Architekt in Wien und bestimmte wesentlich den Ausbau der Stadt mit.

Stil des Historismus

Schon als junger Architekt hatte Otto Wagner davon geträumt, bei seinen Konstruktionen auf überflüssige Schnörkel und Füllsel, wie sie die Architektur seiner Zeit prägten, zu verzichten. Doch in der Anfangszeit seiner beruflichen Laufbahn musste er sich noch dem Zeitgeschmack und vor allem dem Geschmack seiner Auftraggeber beugen und baute im Stil des Historismus. So entstanden schon bis 1890 zahlreiche Gebäude - vor allem auch Geschäfts- und Wohngebäude - nach seinen Entwürfen. Doch schon da zeigte er durchaus moderne Ansätze, indem er z. B. Material wie Glas verwendete.

Wiener Stadtbahn

So war er für den Bau der Wiener Stadtbahn verantwortlich, die teilweise noch zum Historismus, aber auch schon zum frühen Jugendstil zählt. Hier entwarf er nicht nur das berühmte Gebäude zur Station Karlsplatz, sondern auch viele Brücken und Viadukte. Otto Wagner stand auch den Künstlern der Wiener Sezession - so nannte man den Jugendstil in Österreich - nahe.

Gesamtkunstwerk

Otto Wagner war nicht nur Architekt, er sah sich als Künstler und das, was er gestaltete, als Gesamtkunstwerk. So bezog er in seine Planungen auch das ganze "Drumrum" an einem Bau mit ein. Böden, Fenster, Kuppeln, die Innengestaltung und auch Möbel gehörten seiner Ansicht nach zu einer einheitlichen Gestaltung dazu. Gerne griff er bei der Gestaltung auf geometrische Formen zurück, das war etwas Neues. Otto Wagner kannte sich in der Architekturgeschichte sehr gut aus. So war er in der Lage, alte und bekannte Formen der Architektur mit modernen Ideen zu verbinden und wurde hierbei zu einem wichtigen Vorreiter und Wegbereiter der modernen Architektur.

Moderne Materialien wie Glas und Stahl

Böden belegte er gerne auch mit Linoleum und den Schmuck an Wänden und Decken gestaltete er nicht pompös, sondern ruhig und sachlich. Als Material verwendete er neben Holz modernere Materialien wie Glas und Stahl, wobei er großes Augenmerk auf die Kleinigkeiten in der Gestaltung legte. Er schätzte lichtdurchflutete Räume, sodass auch die Dächer des Öfteren aus Glas gestaltet wurden. Doch nicht nur die Kuppeln waren aus Glas, gerne verwendete er Glas auch für die Fußböden seiner Gebäude.

Vor allem die Bauten ab den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigten diese Wesensmerkmale. Gegen Lebensende hatte Otto Wagner nicht mehr so viele Aufträge und widmete sich vor allem seinen Schülern, denen er seine Ideen und Vorstellungen vermitteln wollte. Aufgrund des Ersten Weltkriegs wurden seine Bauprojekte erst einmal auf Eis gelegt. Der überzeugte Architekt und Künstler konnte nach dem Krieg nicht mehr anknüpfen, da er 1918, noch vor dem Ende des Krieges, starb.


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