Doreen


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Für mich änderte sich alles, als meine Eltern einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Sie erkärten mir, dass sie nicht mehr in einem Land leben wollten, in dem sie ihre Meinung nicht laut sagen durften und das ihnen nicht erlaubte, zu reisen, wohin sie wollten. Das konnte ich verstehen. Nicht verstehen konnte ich, was das bedeuten sollte. Würde ich meine Großeltern nie mehr wiedersehen? Alle meine Freunde müsste ich zurücklassen! Was war mit unserer Wohnung, mit meinen Spielsachen und Büchern?

Doch schon lange, bevor wir dann tatsächlich in die Bundesrepublik ausreisen durften, änderte sich für mich vieles. Meine Lehrer waren plötzlich komisch zu mir, gaben mir schlechtere Noten und nahmen mich nicht mehr dran, wenn ich mich meldete. Auf Klassenfahrten durfte ich nicht mehr mit. Das fand ich total ungerecht!

Eines Tages bekamen meine Eltern dann einen "Laufzettel", den sie abarbeiten mussten. Sie mussten zum Beispiel nachweisen, dass sie keine Schulden in der DDR hatten. Obwohl diese ganzen Behördengänge nervten, waren sie so glücklich, denn das hieß, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte!

Und wenige Tage später war es dann plötzlich soweit. Innerhalb von 24 Stunden mussten wir ausreisen. Wir mussten uns noch die Urkunde abholen (und dafür 30 Mark bezahlen), dass wir aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen sind. Mit einem Zug fuhren wir dann in die BRD, wo es erstmal ins Notaufnahmelager Gießen ging. Von dort wurde man auf die Bundesländer verteilt.

Viel mitnehmen konnten wir nicht. Nur das, was wir in Koffern eben tragen konnten. Trotzdem haben wir es nie bereut.


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